Sonderauktionen 'Sozialistischer Realismus'

 

Lauritz.com führt im Herbst 2019 zwei Sonderauktionen mit Gemälden aus der Zeit des 'Sozialistischen Realismus' durch, also mit Werken aus der ehemaligen Sowjetunion der 1960er- bis 1980er-Jahre.

 

Die Bilder stammen aus einer italienischen Privatsammlung, die über 13 Jahre lang in den ehemaligen Sowjetrepubliken zusammengetragen wurde. Ukrainische Sammler erwarben mit Hilfe von Verwandten vor Ort zahlreiche großformatige Gemälde aus Kiew, Charkow, Tschernigow, Moskau und Rostow und führten sie nach Italien aus.

 

Hier mitbieten.

 

Die Gemälde entstanden vorwiegend in der konservativen Regierungsperiode von Präsident Leonid Breschnew (1964-1981) und zeigen die bekannten Themen des kommunistischen Traums. Aufbauend auf den Stilrichtungen des 19. Jahrhunderts, besonders der Romantik und dem Realismus, wurden die Sujets der Parteiideologie entsprechend aufbereitet: Heldenhafte Arbeiter, die am Aufbau einer besseren Welt mitwirken oder Lenin, der volksnah dargestellt wird, in Arbeitskleidung, am Schreibtisch oder bei der geduldigen Beschäftigung mit den Kleinsten. Beliebte Themen waren die zufriedenen Bauern und Feldarbeiter, die technischen Errungenschaften der Sowjetunion oder die Feste der einfachen Bevölkerung. Nicht ohne folkloristische Elemente beschreiben Hochzeiten und Festtage das scheinbar unbeschwerte Leben in der Sowjetunion. Bisweilen erlauben sich die Künstler dabei jedoch ironische Untertöne.

 

Vereinfachte Farbflächen und Umrisse sowie die großen Formate der Gemälde unterstreichen die Monumentalität der Darstellungen. Sie sind Teil einer Massenkultur – vergleichbar mit den Werbekampagnen und der Pop-Art Kultur in der westlichen Welt – jedoch ohne kommerzielle Hintergedanken. Allein der Aufbau einer besseren Welt soll den Menschen vor Augen geführt werden. Im traurigen Gegensatz zu dieser bunten Scheinwelt standen oft die realen Lebensbedingungen der Menschen und auch der Künstler in der ehemaligen Sowjetunion. Nur schwach zeugen die groben Leinwände der Gemälde von einer Realität der ständigen Kürzungen, Mängel und Entbehrungen.

 

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion schoben Museen und führende Galerien die Gemälde des Sozialistischen Realismus in die Depots ab. Die ungeliebte Vergangenheit musste in den 1990er Jahren aus dem Sichtfeld verschwinden, wurde verurteilt und vernichtet. Auch der Kunstmarkt hatte jedes Interesse an der sowjetischen Kunst verloren. Seit der Jahrtausendwende kehrt jedoch das Interesse zurück und internationale Ausstellungen widmen sich erneut dem Sozialistischen Realismus. Auf großen Auktionen sind die Kunstwerke bisweilen heiß begehrt und auch das russische Publikum hat längst eine differenzierte Sicht auf die Kunst der sowjetischen Ära. Große Museen erweitern ihre Sammlungen mit Gemälden der 1950er- bis 80er-Jahre, einer besonderen und in sich historisch geschlossenen Epoche der Kunst. Die Künstler dieser Zeit waren zwar harten Zwängen unterworfen was ihr Themenrepertoire anging – jedoch waren sie hervorragend ausgebildet, größtenteils an den namhaften Kunstakademien des Landes. Sie schufen attraktive Kunstwerke von großer Leuchtkraft und Dynamik, die den Betrachter bis heute faszinieren und in ihren Bann ziehen.